Der Hormon-Zyklus

Ein Paar liegt im Bett und unterhält sich

So beeinflussen uns unsere Hormone. 

Mit dem Wort Hormone verbindest du vielleicht Pickel, Pubertät und die Pille. Doch Hormone steuern von Geburt an wesentliche Abläufe in unserem Körper. Sie gehören zu den wichtigsten Botenstoffen. Befinden sie sich nicht im Gleichgewicht, kann das deinen Schlaf und dein Essverhalten beeinflussen. Auch Kreislauf, Körpertemperatur, Hautbild, Psyche, Sexualtrieb und deine generelle Gesundheit hängen eng mit deinem Hormonhaushalt zusammen. Wie der Hormon-Zyklus mit Körper und Geist genau zusammenspielen, liest du in diesem Beitrag. 

Wie beeinflussen Hormone unseren Körper?

Hormone werden zum Beispiel in der Schilddrüse oder Bauchspeicheldrüse, aber auch in Organen wie der Niere gebildet. Durch deinen Blutkreislauf werden sie dann im ganzen Körper verteilt. Du kennst vermutlich vor allem die Hormone Testosteron und Östrogen. Es gibt aber noch viele weitere. Zusammen mit dem Nervensystem übermitteln Hormone Nachrichten im Körper. Dadurch können sie auf fast alles Einfluss nehmen: Gefühle, Schmerzen, Energie, Wachstum, Verdauung, Fettverteilung und vieles mehr.

Die Hormone der Frau: So tickt der weibliche Hormon-Zyklus

Östrogene gehören zu den wichtigsten Hormonen im Körper der Frau. Sie nehmen Einfluss auf den Körperbau, die weiblichen Geschlechtsorgane, das seelische Gleichgewicht, die Haut, Geschlechtsreife und sogar die Knochen. Liegt ein Östrogenmangel vor, kann es zu Hitzewallungen, Schlafstörungen, Blasenproblemen, trockenen Schleimhäuten und Depressionen kommen – die typischen Symptome der Wechseljahre.  

Von der Jugend bis zur Menopause durchläuft eine Frau monatlich den selben Hormon-Zyklus. Der Körper bereitet sich damit auf das befruchtete Ei und dessen Einnistung in der Gebärmutter vor. Dieser Kreislauf besteht aus drei Phasen: 

Menstruations-Phase:

Der Beginn der Regelblutung ist gleichzeitig der Beginn des Menstruationszyklus. Aufgrund des sinkenden Anteils des Gelbkörper-Hormons Progesteron wird die  Gebärmutterschleimhaut weniger stark durchblutet. Die Eizelle, Blut, Gewebereste und Schleim werden abgebaut und mit der Menstruationsblutung abgestoßen. 

Follikel-Phase:

Die Konzentration von Östrogen ist in dieser Phase der ersten Zyklushälfte niedrig. Dadurch bilden sich vermehrt die Follikel stimulierende Hormone (FSH) und lutenisierende Hormone (LH). Diese beiden sorgen für das Wachstum des Eibläschens (Follikel) und der darin enthaltenen befruchtungsfähigen Eizelle im Eierstock. Der Follikel wiederum sorgt für die Ausschüttung von Östrogen. Dadurch wird die Gebärmutterschleimhaut nach der Menstruation wieder aufgebaut. Zwischen dem 12. und dem 14. Zyklustag wird der Eisprung ausgelöst und die reife Eizelle wandert in den Eileiter. Das sind die fruchtbaren Tage einer Frau.

Absonderungs- Phase (Lutealphase):

Nach dem Eisprung in der Zyklusmitte werden vermehrt die Hormone Östrogen und Progesteron produziert und der Progesteronspiegel steigt. In der zweiten Zyklushälfte bereiten diese Hormone die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vor. Bleibt dies aus, beginnt die nächste Periode.  

Gut zu wissen

Das Auf und Ab der Hormone löst bei einigen Frauen kurz vor der Menstruation das sogenannte prämenstruelle Syndrom (PMS) aus. Es äußert sich durch Schmerzen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit, Depressionen oder Überempfindlichkeit, um nur einige Beispiele zu nennen. Das PMS endet meist mit dem ersten oder zweiten Tag der Menstruation.

Übrigens: Wird eine Frau schwanger, verändert sich die hormonelle Steuerung entsprechend. Zu Beginn werden die Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron vermehrt produziert. Diese fördern das Wachstum der Plazenta und bereiten die Gebärmutter vor. Gegen Ende der Schwangerschaft sorgt das Hormon Relaxin für Entspannung und bereitet den Körper auf die Wehen vor. Nach der Geburt schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus und sorgt so für eine Linderung der Schmerzen und eine emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind. Die gesamte Schwangerschaft ist also geprägt von einem sich veränderndem Hormonhaushalt.  

Die Hormone des Mannes: Wie funktioniert der männliche Zyklus?

Hormone sind keine Frauensache. Männer sind ebenso von Hormonen geprägt. Entsprechend gibt es nicht nur einen weiblichen Zyklus. Auch Männer durchlaufen einen Hormon-Zyklus. Der entscheidende Unterschied beim männlichen Zyklus: Bei Männern dauert dieser Zyklus nicht 28, sondern nur einen Tag. Innerhalb von 24 Stunden ändert sich mehrmals der Testosteronspiegel des Mannes und somit auch seine Stimmung und sein Verhalten.

vormittags:

Gegen sechs Uhr morgens steigen der männliche Cortisolspiegel sowie der Testosteronspiegel stark an und sorgen so für einen regelrechten Energieschub. Der Vormittag ist somit die leistungsstärkste Zeit von Männern.  

nachmittags:

Das Hormon-Hoch bleibt bis zum Mittag bestehen und sinkt dann langsam wieder ab. Männer werden deshalb nachmittags ruhiger und entspannter.

abends:

Der Testosteronspiegel ist an seinem Tiefpunkt angelangt, dafür steigt die Oxytocin-Produktion. Das Resultat: Männer werden müde und bereiten sich auf den Schlaf vor  – es sei denn, die Testosteronproduktion wird wieder angekurbelt, durch Alkohol, Sex, Sport oder andere Aktivitäten.  

Gut zu wissen

Jeder Mann durchläuft einen täglichen Hormon-Zyklus – einige jedoch zudem einen monatlichen. Gerade Männer, die in einer festen Beziehung leben und einen besonders großen Kinderwunsch verspüren, passen sich manchmal automatisch dem 28-tägigen Hormon-Zyklus ihrer Partnerin an. Sie erreichen ein Testosteron-Hoch in der fruchtbaren Zyklusphase der Freundin. Dadurch vergrößern sich ihre Chancen, Nachwuchs zu zeugen. 

Zwei Teenager geben sich einen Fauststoß: Sie haben den Hormon-Zyklus verstanden

Wechselhafte Teenie-Jahre: Wie verändert sich der Hormon-Zyklus im Laufe des Lebens? 

Wir werden unser Leben lang von unseren Hormonen gesteuert, doch nie wieder so stark wie während der Pubertät. Zu dieser Zeit gewinnen die Botenstoffe die Oberhand und feiern eine Party im Hypothalamus – einem Teil des Gehirns – und in der Hypophyse, auch Hirnanhangdrüse genannt. Nervenzellen signalisieren dem Gehirn, dass es beginnen muss, follikelstimulierende und luteinisierende Hormone zu produzieren. Diese werden über die Blutbahn in die Geschlechtsorgane befördert. Hier sorgen sie dafür, dass die Sexualhormone Östrogen und Testosteron vermehrt produziert werden.

Vorpubertät:

Bereits gegen Ende der Grundschulzeit beginnt die Vorpubertät. Bei Mädchen beginnt sie meist etwas früher als bei Jungen. In dieser Zeit werden vermehrt Sexualhormone produziert und der Körper beginnt sich zu wandeln. Das Stadium zwischen Kind- und Erwachsensein ist deshalb geprägt von Stimmungsschwankungen, starken Emotionen und körperlichen Veränderungen.  

Hochphase:

Zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr erreicht die Hormonproduktion ihre Spitze. Die Wachstumshormone bewirken eine Ausprägung der Geschlechtsorgane und die  Sexualhormone leiten die Geschlechtsreife ein. Das bedeutet: Jungen kommen in den  Stimmbruch, ihnen wachsen Scham- und Barthaare und ihre Statur verändert sich. Mädchen bekommen ein breiteres Becken, größere Brüste und ihre erste Periode. 

Spätpubertät:

Ab dem 16. Lebensjahr beginnt die Spätpubertät. Hier glätten sich die Wogen wieder etwas. Der Körper hat sich an den neuen Hormonhaushalt gewöhnt. Doch auch wenn viele Jugendliche nun wieder ausgeglichener werden, kommt es dennoch häufig zu hormonell bedingten Gefühlsschwankungen.  

Was tun, wenn Hormone aus dem Gleichgewicht sind 

Bestimmte Medikamente, Stress, Vitaminmangel und vor allem hormonelle Verhütungsmittel  können den Hormonhaushalt und somit auch den Hormon-Zyklus aus dem Gleichgewicht bringen. Die Folge können von Depressionen über Schlafstörungen und Müdigkeit bis hin zu Haarausfall, Unfruchtbarkeit,  Verdauungsproblemen, Gewichtsschwankungen und unregelmäßige Menstruationszyklen reichen. Auch Erkrankungen der hormonproduzierenden Organe oder Drüsen können zu Hormonstörungen führen. Die genannten Symptome solltest du von deinem Arzt abklären lassen.


Sport und Bewegung wirken sich übrigens auch auf deinen Hormonhaushalt aus. Mehr dazu findest du hier.

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