Was passiert beim Orgasmus?

Zum Thema was passiert im Körper beim Orgasmus küssen sich Mann und Frau

Veränderungen im Körper bei Mann und Frau.

Dem sexuellen Höhepunkt sind und waren schon viele Wissenschaftler auf der Spur. In den 1950er und 60er Jahren untersuchten die US-amerikanischen Sexualwissenschaftler William Masters und Virginia Johnson die menschliche Sexualität. Auch Sigmund Freud befasste sich damit – insbesondere mit der weiblichen Sexualität. Sex regt die Durchblutung an, der Herzschlag erhöht sich, die Atmung wird intensiver. Was beim Geschlechtsverkehr in deinem Körper – und in deinem Kopf – passiert und wie sich der Orgasmus eines Mannes von dem einer Frau unterscheidet oder warum es manchmal mit dem Orgasmus nicht klappt, erklären wir dir hier:

Was passiert bei einem Orgasmus im Gehirn?

Logo ISM - Institut für Stressmedizin Rhein Ruhr

„Beim Sex zieht hauptsächlich unser Gehirn die Strippen. Besondere Bedeutung kommt einem Bereich zu: dem Hypothalamus. Er ist eine wichtige Steuerzentrale in unserem Hormonsystem und beeinflusst unseren gesamten Körper“, erklärt Dr. Katinka von Borries, Neurowissenschaftlerin am Institut für Stressmedizin Rhein-Ruhr (ISM). Er reguliert, wann welches Hormon gebildet wird.

Auch beim Sex: Alle Hormone, die beim Sex notwendig sind, werden von hier aus gesteuert. Bei einer Berührung, einem Kuss beginnt der Hypothalamus Hormone auszuschütten. Erhält er weitere sexuelle Stimulation, sorgt er dafür, dass Hormone in einer bestimmten Reihenfolge ausgeschüttet werden, die für den Sex notwendige Abläufe in Gang setzen. Auch weitere Teile unseres Gehirns kommen beim Sex auf Touren:

  • Der somatosensorische Kortex, ein Teil der Großhirnrinde, reagiert auf Berührungen wie etwa beim Küssen.
  • Der motorische Kortex, ebenfalls Teil der Großhirnrinde, empfängt durch unsere Bewegungen beim Sex Signale.
  • Das Kleinhirn ist zum Beispiel für die rhythmischen Bewegungen der Beckenmuskulatur während des Orgasmus verantwortlich.
  • In den Basalganglien, eine Kerngruppe, die unterhalb der Großhirnrinde liegt, werden Dopamin und Oxytocin gebildet.
Pärchen denkt über die Frage nach, was beim Orgasmus passiert

Welche Hormone werden beim Orgasmus ausgeschüttet?

Ohne Hormone läuft beim Sex nichts – oder nicht viel. Folgende Hormone spielen eine wichtige Rolle:

  • Adrenalin und Noradrenalin sorgen für eine bessere Durchblutung, einen höheren Blutzuckerspiegel und einen schnelleren Herzschlag. Der Blutfluss in den Genitalien erhöht sich. Dadurch kommt es bei Männern zu einer Erektion. Bei Frauen schwellen die Klitoris und die Schamlippen an.
  • Testosteron sorgt für Erregung und sexuelle Lust – und kommt bei Männern und Frauen vor. Der weibliche Körper bildet aber deutlich weniger Testosteron als der männliche.
  • Östrogen kommt ebenfalls bei Frauen und Männern vor. Es sorgt bei der Frau dafür, dass die Scheide bei sexueller Erregung feuchter wird und sich die Gebärmutter aufrichtet. Zudem wird durch Östrogene bei Mann und Frau der Beckenbodenbereich mit dem Schambein-Steißbein-Muskel besser durchblutet.
  • Dopamin schütten wir in großen Mengen aus, wenn wir den Orgasmus erreichen. Es wird auch als „Glückshormon“ bezeichnet, denn es wirkt erregend, sorgt für eine Art „Rauschzustand“ und für Glücksgefühle. 
  • Oxytocin wird während und nach dem Orgasmus gebildet. Es bewirkt bei der Frau das Zusammenziehen der Gebärmutter und beim Mann die des Samenleiters. Es wird auch „Kuschel-Hormon“ genannt, denn es bewirkt nach dem Sex ein Gefühl der Vertrautheit und Bindung.
  • Prolaktin schüttet dein Körper nach dem Sex aus. Das „Entspannungs-Hormon“ hemmt die Wirkung von Dopamin. Es wirkt beruhigend und sorgt für ein Gefühl der Befriedigung.
  • Serotonin sorgt nach dem Sex für ein Gefühl der Zufriedenheit und Entspannung.

In unserem Beitrag über den Hormon-Zyklus liest du, wie Hormone unseren Körper beeinflussen.

Was passiert beim weiblichen Orgasmus?

Zunächst wird die Vagina feucht. Die Schamlippen und die Klitoris werden stärker durchblutet und schwellen an. Es sammelt sich eine Flüssigkeit in der Scheide. Manchmal ist auch von weiblicher Ejakulation die Rede. Das Sekret sorgt für eine bessere Gleitfähigkeit und erleichtert das Eindringen des Penis. Beim weiblichen Orgasmus sorgt das Zusammenspiel von Adrenalin, Testosteron und Östrogen dafür, dass sich die Muskeln um Scheide, Gebärmutter und Beckenboden rhythmisch zusammenziehen. Direkt nach dem Orgasmus schwellen Schamlippen und Klitoris wieder ab. Entspannung tritt ein. Frauen können nun, Stichwort multiple Orgasmen, direkt erneut Sex haben. Im Gegensatz zum Mann, der häufig erst einmal eine Ruhephase braucht.

Zwei Frauen küssen sich und diskutieren über die Frage Was passiert beim Orgasmus?
Was passiert im Körper einer Frau beim Orgasmus?

Klitoraler Orgasmus und vaginaler Orgasmus.

Die Klitoris, umgangssprachlich auch Kitzler genannt, ist das Lustorgan der Frau. Von außen ist nur die Klitoris-Eichel zu sehen. Sie sitzt auf dem Klitoriskörper, der sich in zwei Schenkel teilt. Diese umgeben Harnröhre und Vagina wie eine Art Hufeisen. Daher wird auch beim sogenannten vaginalen Orgasmus immer die Klitoris mit stimuliert. Der G-Punkt ist eher ein Bereich als ein Punkt: Er bezieht sich auf die innere Klitoris und einen Teil der Harnröhre sowie die Oberfläche der Innenwand der Vagina. In diesem Bereich reagieren Frauen sehr sensibel auf sexuelle Stimulation

Frauen haben eher Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erreichen als Männer. Für manche ist das ein Grund für einen vorgetäuschten Orgasmus.

Experten-Tipp:

Dr. Katinka von Borries Neurowissenschaftlerin am Institut für Stressmedizin Rhein Ruhr und Expertin der KNAPPSCHAFT 3 1
Dr. Katinka von Borries, Neurowissenschaftlerin und psychologische Psychotherapeutin am Institut für Stressmedizin Rhein Ruhr (ISM)

Experten-Tipp:

„Probleme, zum Höhepunkt zu kommen, hängen von ganz unterschiedlichen Einflüssen ab – zum Beispiel können psychische Gegebenheiten eine Rolle spielen”, sagt. Dr. Katinka von Borries.

Die gute Nachricht: Wie du zu einem Orgasmus kommst, kannst du in gewisser Art auch „lernen”. Indem du deinen Körper kennenlernst und herausfindest, welche Berührungen bei dir eine sexuelle Reaktion auslösen. Je besser du deinen Körper kennst, umso größer die Chance, einen Orgasmus zu haben.

Was passiert beim männlichen Orgasmus?

Die Blutmenge im Penis nimmt zu und er schwillt an. Da das Blut nicht sofort wieder in den Kreislauf zurückfließt, bleibt der Penis steif. Beim Orgasmus ziehen sich Samenleiter, Samenblase und Prostata rhythmisch zusammen. Bei der Ejakulation werden 40 bis 240 Millionen Spermien mit einer Geschwindigkeit von 14 bis 18 Kilometern pro Stunde durch die Harnröhre abgegeben. Danach fließt das Blut wieder zurück und der Penis erschlafft. Die meisten Männer brauchen dann eine Ruhepause.

Die Spermien machen nur einen sehr kleinen Anteil der Samenflüssigkeit aus. Der größte Teil der Samenflüssigkeit besteht aus Prostatasekret.

Experten-Wissen:

Bei Erektionsschwierigkeiten füllen sich die Penisschwellkörper nicht mehr ausreichend mit Blut. Oder die Schranke, die verhindert, dass das Blut im Penis bleibt, wirkt nicht mehr richtig. Dies kann mit dem Herz-Kreislaufsystem zusammenhängen

Daher solltest du solche Probleme mit deinem Arzt besprechen. Erektionsschwierigkeiten können auch eine psychische Ursache haben. Psychische Risikofaktoren sind:

  • Partnerschaftsprobleme
  • Stress, Angst um den Arbeitsplatz, finanzielle Probleme
  • Versagensängste, unrealistische Erwartungen
  • Depressionen
  • traumatische sexuelle Erfahrungen
  • ungeklärte sexuelle Orientierung

Wichtig ist es aber auch, sich mit dem Körper des jeweils anderen zu beschäftigen. Jede und jeder reagiert auf unterschiedliche Reize. Manchmal unterscheidet sich das, was gefällt, sogar je nach Gemüt, Stresslevel oder Zeitpunkt des Zyklus.


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