Gentest erspart überflüssige Chemotherapie

Zwei junge Frauen mit der rosa Schleife gegen Brustkrebs

Gemeinsam gegen Brustkrebs

Nach einer erfolgreichen Brustkrebsoperation wird vielen Frauen leider auch heute noch „sicherheitshalber“ eine Chemotherapie empfohlen. Die ist kräftezehrend und mit vielen Nebenwirkungen verbunden, die die Patientinnen auch nach der Erkrankung weiter belasten können. Deshalb übernimmt die KNAPPSCHAFT seit 2017 die Kosten für einen speziellen Gentest. Der Test untersucht das Risiko einer erneuten Erkrankung und bietet so eine Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen die Chemotherapie.

 

  • eine Chemotherapie ist in 80 Prozent der Fälle nicht nötig
  • die KNAPPSCHAFT erstattet als erste Krankenkasse die Kosten des Tests
  • Anerkennungs des Tests endlich auch durch den Gemeinsamen Bundesausschuss

„Wir blicken auf eine deutlich über zweijährige Erfahrung zurück und bekommen von den Versicherten sowie von den einsetzenden Brustzentren ein überaus positives Feedback. Es ist schön, dass dieses Verfahren nun auch den Versicherten anderer Kassen zur Verfügung steht.“

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.

In Deutschland gibt es jährlich rund 69.000 Neuerkrankungen. Fast 30 Prozent der Betroffenen sind jünger als 55 Jahre, wenn sie die Diagnose bekommen. Nach der Operation stehen viele Patientinnen vor der Frage, ob eine Chemotherapie wirklich notwendig ist. Denn die kann zwar das Risiko eines Rückfalls mindern, birgt jedoch auch viele, zum Teil heftige Nebenwirkungen. Zu diesen zählen nicht nur kurzzeitige Nebenwirkungen wie Haarverlust, Übelkeit, Fieber und Erschöpfung. Auch Langzeitschäden wie Herzmuskelschwächen oder Leukämieerkrankungen treten bei manchen Betroffenen auf. 

Um Patientinnen diese Risiken zu ersparen und sie in ihrer Entscheidung zu unterstützen, setzt die KNAPPSCHAFT seit 2017 auf den Gentest „Oncotype DX®“. Der Test trifft eine Aussage über die Notwendigkeit der Chemotherapie. Er liefert einen wissenschaftlichen Befund, der – neben einem klärenden Arztgespräch – die ausschlaggebende Grundlage für die wichtige Entscheidung für oder gegen die Chemotherapie bilden kann. Seit Juni 2019 ist dieser Gentest auch Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen und somit für alle gesetzlich Versicherten zuzahlungsfrei möglich.

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Studie belegt die Effektivität des Tests.

Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Test jetzt genau geprüft. In einer neuen internationalen Studie wurde nun belegt, dass der Gentest tatsächlich eine zuverlässige Aussage über die Erkrankung treffen kann. Er bietet den Betroffenen dadurch einen tatsächlichen Nutzen.

Zudem zeigte die Studie, dass bei einer großen Mehrheit der Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium – nämlich bei rund 80 Prozent – eine Chemotherapie keinen zusätzlichen Nutzen bringt. Umgekehrt konnte auch ein zwar geringer, dafür aber umso wichtigerer Anteil an Patientinnen bestimmt werden: Patientinnen, bei denen eine Chemotherapie lebensentscheidend sein kann.

Aufgrund dieser erfolgreichen Untersuchung hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Gentest anerkannt und als allgemeine Kassenleistung in den Regelkatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. So können nun deutschlandweit alle gesetzlich krankenversicherten Brustkrebspatientinnen kostenfrei den Test machen.

Test sorgt für Selbstbestimmung.

„Mit unserem Vertrag haben wir Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, frühzeitig ermöglicht, sich im Gespräch mit ihrem Arzt selbstbestimmt für oder gegen eine Chemotherapie zu entscheiden. Unser biomarkerbasierter Brustkrebstest gibt dazu die notwendige Unterstützung. Wir freuen uns, dass dies – nach anderen Qualitätskontrollen zuvor – auch der Gemeinsame Bundesausschuss festgestellt hat“, sagt Bettina am Orde, Geschäftsführerin der KNAPPSCHAFT. „Wir blicken auf eine deutlich über zweijährige Erfahrung zurück und bekommen von den Versicherten sowie von den einsetzenden Brustzentren ein überaus positives Feedback. Es ist schön, dass dieses Verfahren nun auch den Versicherten anderer Kassen zur Verfügung steht.“

Ausführliche Informationen zum Test findest du auf unserer Website.

Gerne beraten wir dich auch telefonisch unter der
0800 – 1405 5410 0090  
und das natürlich kostenfrei und rund um die Uhr.

Wie der Gentest funktioniert.

Wie genau der Test abläuft, welche Vorteile er mit sich bringt und warum die Therapieentscheidung für viele Frauen so schwer ist, erklärt Prof. Sherko Kümmel, Direktor des Brust- und Krebszentrums der Kliniken Essen-Mitte:

Die Testung ist sehr einfach. Man muss natürlich zunächst einmal die Patientin aufklären, was man mit dem Test erreichen kann und was das Ergebnis für die Patientin für eine Bedeutung hat.

Es muss nicht eine erneute Biopsie gemacht werden. Es kann das gewonnene Gewebematerial aus den sogenannten „Stanzbiopsien“ oder direkt das OP-Material verwendet werden, welches dann molekulargenetisch untersucht wird.

Der Test kann eine Prognose abgeben, wie das Rückfallrisiko für die Patientinnen nach

einer Mamakarzinomerkrankung sein kann. Dabei werden bei der molekulargenetischen

Untersuchung 21 Gene untersucht. Ergibt der Test beispielsweise ein niedriges Rückfallrisiko, dann weiß man, dass die Patientin eine hohe Chance hat, dass die Erkrankung nicht wiederkehrt. Man weiß heute auch, dass die Patientin keinen Gewinn durch eine Chemotherapie hat. Trotz Test bleibt die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie letztendlich aber immer bei der Patientin.

Erfreulicherweise kann man mittlerweile sagen, dass die Prognose nach einer Brustkrebserkrankung für viele sehr gut ist. Die Patientinnen stehen nach einer Erkrankung jedoch vor der Frage, wie viel sie noch durch eine Chemotherapie an zusätzlichem Effekt hinsichtlich der Prognose erreichen können. Umso besser ist es, wenn der Test klar signalisiert, dass nahezu keine Verbesserung erreicht werden kann und die Patientin sich damit sicher gegen eine Chemotherapie entscheiden kann.

Der Test hilft sowohl den Frauen als auch den Therapeuten sehr bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie nach einer Brustkrebsdiagnose.

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