Digitalisierung in der Pflege

Eine Frau nutzt ein Tablet bei der Digitalisierung in der Pflege

Das Pflegewesen der Zukunft.

Jeden Tag stehen Pflegende vor der gleichen Herausforderung: viele Aufgaben, wenig Zeit. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte. Digitale Technik schafft hier Luft. Ein Tablet ersetzt lange Papierlisten, Sensoren melden Stürze frühzeitig und eine Software erinnert an Medikamente und Termine. So bleibt mehr Raum für Nähe und Zuwendung.  Was es mit der Digitalisierung in der Pflege auf sich hat und welche Chancen sie bringt, verraten wir dir in unserem Magazin-Beitrag.

Warum ist die Digitalisierung in der Pflege wichtig?

Tipp unseres Experten:
Wolfgang Münstermann
Wolfgang Münstermann, Pflegebeauftragter und Experte der KNAPPSCHAFT

Tipp unseres Experten:

Der anhaltende demografische Wandel bringt das Pflegesystem zunehmend unter Druck: Immer mehr Menschen benötigen Unterstützung, während in den kommenden zehn bis zwölf Jahren voraussichtlich rund eine halbe Million Pflegekräfte in den Ruhestand gehen. Um trotz dieser Schere zwischen Bedarf und Personalressourcen eine hochwertige Versorgung sicherzustellen, ist die konsequente Digitalisierung der Pflege kein „Nice-to-have“, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe.

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Erste digitale Lösungen zeigen bereits, welches Potenzial hier schlummert. Pflegedokumentationen lassen sich in modernen Software-Systemen orts- und geräteunabhängig aktualisieren. Die relevanten Informationen stehen allen Beteiligten in Echtzeit zur Verfügung, Doppelablagen oder handschriftliche Übertragungsfehler gehören der Vergangenheit an. Eine bessere, schnellere Kommunikation reduziert Missverständnisse – und spart vor allem wertvolle Zeit.

  • Mehr Zeit für direkte Pflege: Eine automatisierte oder deutlich vereinfachte Dokumentation sowie Assistenzsysteme minimieren den Verwaltungsaufwand und schaffen Freiräume für persönliche Zuwendung.
  • Entlastung von Fach- und Angehörigenpflege: Technische Hilfen wie Sensormatten, Erinnerungsgeräte zur Medikamenteneinnahme oder smarte Monitoring-Lösungen verringern körperliche wie mentale Belastungen.
  • Längere Selbstständigkeit im eigenen Zuhause: Telecare-Dienste, Hausnotrufgeräte mit Sturzsensor und andere vernetzte Assistenzlösungen ermöglichen ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung.
  • Datenbasierte Qualitäts­steuerung: Digitale Systeme erfassen Pflege- und Versorgungsdaten fortlaufend, sodass Einrichtungen daraus Trends ableiten, Prozesse optimieren und Personal- sowie Materialeinsatz präziser planen können.
  • Attraktivere Arbeitsbedingungen: Moderne Technologien reduzieren körperliche Belastungen und monotone Routinen, was den Pflegeberuf für Nachwuchskräfte interessanter macht und langfristig zur Fachkräftesicherung beiträgt.

Herausforderungen von Digitalisierung in der Pflege.

Nachteile von Digitalisierung in der Pflege
DatensicherheitHohe Anforderungen an den Schutz sensibler Gesundheitsdaten, insbesondere durch die DSGVO.

Gefahr von Datenlecks oder Hackerangriffen, insbesondere bei cloudbasierten Lösungen.

Unklare Verantwortlichkeiten bei Datenschutzverstößen, wenn mehrere Akteure (Softwareanbieter, Pflegeeinrichtung, Cloud-Dienstleister) involviert sind.
Technische HerausforderungenSysteme müssen ausfallsicher und stabil im Alltag funktionieren – was bei komplexen IT-Strukturen nicht garantiert ist.

Hoher Wartungs- und Supportaufwand, vor allem in kleineren Einrichtungen ohne eigene IT-Abteilung
Erhöhte KostenAnschaffungs-, Lizenz- und Schulungskosten sind oft hoch.

Folgekosten durch regelmäßige Updates, Wartung und technischen Support.
Skepsis bei PersonalDigitale Lösungen werden oft als Zusatzbelastung empfunden, besonders bei hohem Arbeitsdruck.

Technikangst oder fehlende Digitalkompetenz bei Pflegekräften oder älteren Mitarbeitenden.
Fehlende ZeitPflegekräfte haben kaum Kapazitäten für Schulungen oder Einarbeitung in neue Systeme.

Zeitaufwand für Dokumentation oder Dateneingabe kann im Alltag eher hinderlich als hilfreich sein.
Langsame UmsetzungenEinführung neuer Technologien dauert oft Jahre bis Jahrzehnte.

Trägheit in großen Organisationen, bürokratische Prozesse und fehlende Flexibilität bremsen Fortschritt.

Das sagt das Gesetz.

Das Digitale-Versorgungs- und Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) gilt seit dem 9. Juni 2021. Es baut auf früheren Digital-Gesetzen auf und soll die Gesundheits- und Pflegeversorgung moderner, schneller und sicherer machen. Digitale Lösungen wie Apps, Videosprechstunden oder elektronische Rezepte sollen für alle Beteiligten leichter nutzbar sein und Bürokratie abbauen. Das DVPMG hat den Weg für erstattungsfähige Pflege-Apps, eine breitere Telemedizin-Nutzung und eine stabile TI-Basis geebnet. Viele Elemente (zum Beispiel digitale Identitäten, EU-Datenaustausch) sind inzwischen produktiv oder in Pilotierung; parallel greifen seit 2024 Anschlussgesetze wie das Digital-Gesetz (DigiG), die einige DVPMG-Fristen angepasst haben. Insgesamt beschleunigt das DVPMG die digitale Transformation, stärkt Patienten- und Pflegebedürftigenrechte und entlastet Pflegende deutlich.

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Eine Pflegerin erklärt Digitalisierung in der Pflege

Anwendungsfelder in der Praxis.

Digitalisierung in der Pflege kann verschiedene Bereiche und Anwendungsfelder umfassen. Einige kennst du sicher bereits. Die elektronische Patientenakte zum Beispiel. Aber auch Technologien, die aktuell noch in den Kinderschuhen stecken, werden mit dem Bereich abgedeckt.

Elektronische Dokumentationsmöglichkeiten

Einen Berührungspunkt mit der Digitalisierung in der Pflege hattest du bereits bestimmt. Seit April 2025 haben Patientinnen und Patienten Anspruch auf eine elektronische Patientenakte. Auf deinen Wunsch hin können hier Befunde, Therapiepläne und Diagnose abgespeichert werden. Das erleichtert die bereichsübergreifende Kommunikation ungemein. Prozesse können so optimiert werden. 

Experten-Wissen:

Für die Pflege ist eine elektronische Dokumentation ungemein wichtig. So wird der Genesungsfortschritt festgehalten. Therapiepläne können so bei Bedarf neu ausgerichtet werden. Eine Dokumentation schriftlich per Hand ist jedoch zeitaufwändig. Und kann zu Kommunikationsproblemen führen, wenn die Schrift zum Beispiel nicht leserlich ist. Mit digitalen Systemen können einfach Gesundheitswerte der Patienten und Patientinnen hinterlegt und an anderer Stelle wieder abgerufen werden. Das spart Zeit und minimiert Fehler. Denn wichtige Hinweise – zum Beispiel zur Medikamentengabe – gehen so nicht fälschlicherweise unter. 

Telecare und Telepflege

Eine der wichtigsten Bereiche ist zudem die Telepflege. Eine ärztliche Betreuung und Diagnose ist so auch über räumliche Distanzen möglich. Patienten und Patientinnen sind nicht gezwungen, ihr zu Hause zu verlassen, um ärztlichen Rat einzuholen. Gerade in ländlichen Regionen ist dies eine große Unterstützung. 

Mithilfe von Sensoren können Daten wie Blutzucker-, Blutdruck- oder Pulswerte einfach weitergegeben werden. Bequem aus den eigenen vier Wänden heraus. Die ärztliche Beratung kann einfach über Videotelefonie stattfinden. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit, zu wissen, dass jederzeit ein Kontakt unkompliziert zum Pflegepersonal aufgebaut werden kann. Zudem ermöglicht es pflegebedürftigen Personen, möglichst lang in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben.

Ein Mann im Video Call bei der Digitalisierung in der Pflege

Technische Assistenzsysteme

Technische Assistenzsysteme sind Geräte, die Pflegekräfte im Alltag entlasten. Sie übernehmen einfache Aufgaben, helfen bei der Überwachung und sorgen für mehr Sicherheit in der Pflege. So bleibt mehr Zeit für die persönliche Betreuung. Ein Beispiel sind Sensormatten, die unter dem Bett liegen. Wenn eine sturzgefährdete Person das Bett verlässt, geben sie ein Signal. Pflegekräfte können sofort eingreifen, einen Sturz verhindern und Hilfe leisten. Das verringert auch die Anzahl der Kontrollgänge. Auch elektronische Medikamentenspender sind hilfreich. Sie erinnern Patienten und Patientinnen daran, ihre Medikamente rechtzeitig zu nehmen. Manche geben die richtige Dosis automatisch aus. 

Das reduziert Fehler und entlastet das Pflegepersonal. Intelligente Fußböden erkennen, wenn jemand gefallen ist. In solchen Fällen wird automatisch ein Alarm ausgelöst. Türsensoren melden, wenn sich eine Person mit Demenz selbstständig auf den Weg macht – etwa nachts oder bei Gefahr. Auch Sprachassistenten oder einfache Roboterhilfen können nützlich sein. Sie helfen zum Beispiel beim Licht einschalten, bringen Gegenstände oder unterstützen bei kleinen Handgriffen. Diese Technik ersetzt keine Pflegekraft, aber sie ergänzt die Arbeit sinnvoll. Sie macht den Pflegealltag sicherer, spart Zeit und gibt den Menschen mehr Selbstständigkeit.

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Digitalisierung mit Robotik und Robotern

Roboter werden bereits in der Intensivmedizin genutzt. Bei chirurgischen Eingriffen zum Beispiel. Immer dann, wenn ein höchstes Maß an Genauigkeit gefragt ist. In der Pflege werden die robotischen Helfer noch mit Skepsis betrachtet. Vor allem, weil hier der menschliche Kontakt im Vordergrund steht. Doch Roboter sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern unterstützen. 

Im Bereich der Pflege können sie zum Beispiel das Anreichen von Essen, das Transportieren von Wäsche oder auch als Hebehilfe 

Pflegekräfte werden damit in ihrem Arbeitspensum entlastet. Aber auch  körperlich anstrengende Tätigkeiten wie die Mobilisierung von pflegebedürftigen Personen können so vereinfacht werden.


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