Dengue-Fieber in Europa

Ein Vater sprüht Abwehrspray auf den Arm seiner Tochter - er nutzt Mückenschutz gegen Dengue-Fieber in Europa
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Das musst du wissen.

Ob Südostasien, Südamerika oder ein Städtetrip ans Mittelmeer – Dengue-Fieber ist längst nicht mehr nur ein Thema für Fernreisende. Wie du dich vor der Virusinfektion schützt, warum eine Zweitinfektion besonders gefährlich sein kann und was die Ausbreitung der Tigermücke für Europa bedeutet, erfährst du im Magazin-Beitrag. Jetzt lesen!

Was ist Dengue-Fieber?

Dengue-Fieber ist eine Virusinfektion, die durch den Stich einer infizierten Stechmücke übertragen wird. Es zählt zu den häufigsten mückenübertragenen Krankheiten weltweit und kommt vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor – besonders in Südostasien, Südamerika und Teilen Afrikas. Jedes Jahr infizieren sich Millionen von Menschen, und die Krankheit fordert schätzungsweise 20.000 bis 25.000 Todesopfer pro Jahr. Denn Dengue-Fieber ist nicht harmlos: In manchen Fällen kann die Infektion einen schweren, mitunter sogar lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Tipp unserer Expertin:
Dr. med. Eva Anyiloibi
Dr. med. Eva Anyiloibi, Chefärztin der Zentralen Notaufnahmen, Knappschaft Kliniken Saar

Tipp unserer Expertin:

In Europa ist Dengue nach wie vor selten. Die meisten der rund 2.000 Fälle, die hier jährlich registriert werden, hängen mit Reisen in betroffene Gebiete zusammen. Vereinzelt kommt es aber auch in Südeuropa zu lokalen Ausbrüchen, bei denen sich Menschen vor Ort anstecken – ganz ohne Fernreise. Wenn du in Regionen mit Dengue-Vorkommen reist, solltest du das Risiko kennen und dich schützen. Die gute Nachricht: Es gibt inzwischen eine Impfung, und mit den richtigen Vorsorgemaßnahmen kannst du dein Ansteckungsrisiko deutlich senken.

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Der Erreger: Was steckt hinter Dengue-Fieber?

Dengue-Fieber wird durch das Dengue-Virus ausgelöst, von dem es vier verschiedene Varianten gibt – die sogenannten Serotypen DENV-1 bis DENV-4. Alle vier können die Krankheit auslösen, und eine durchgemachte Infektion mit einem Serotyp schützt dich leider nicht vor den anderen drei.

Die Übertragung läuft fast immer über den Stich einer infizierten Aedes-Mücke – entweder der Gelbfiebermücke oder der Asiatischen Tigermücke. Diese Mücken sind sogenannte Vektoren, also eine Art Transporter. Die das Virus von einem Menschen zum nächsten weitertragen. Besonders wichtig zu wissen: Aedes-Mücken sind vor allem tagsüber aktiv. Sie stechen bevorzugt morgens in der Dämmerung und am späten Nachmittag – anders als viele andere Mückenarten, die eher nachts zuschlagen. Außerdem fühlen sie sich in Städten besonders wohl, weshalb es dort gerade zur Regenzeit häufig zu Ausbrüchen kommt.

Nach einem infektiösen Stich dauert es in der Regel drei bis 14 Tage, bis erste Symptome auftreten. In seltenen Fällen kann Dengue auch auf anderem Weg übertragen werden, etwa im Krankenhaus oder durch sexuellen Kontakt – das ist aber die absolute Ausnahme. Wenn du in Regionen reist, in denen Dengue verbreitet ist, trägst du ein erhöhtes Infektionsrisiko. In Europa selbst ist die Wahrscheinlichkeit, von einer infizierten Mücke gestochen zu werden, noch gering – am ehesten im Spätsommer und Frühherbst in den südlichen Ländern, in denen die Tigermücke bereits heimisch ist. Besondere Vorsicht gilt, wenn du schon einmal Dengue-Fieber hattest: Bei einer erneuten Infektion mit einem anderen Serotyp steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf deutlich an.

Die Tigermücke gilt als Risikofaktor für Dengue-Fieber in Europa

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Dengue-Fieber weltweit – größer als du denkst.

Dengue-Fieber ist in den Tropen und Subtropen zu Hause – und betrifft dort fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Rund 3,9 Milliarden Menschen leben in Risikogebieten. Laut World Health Organization (WHO) infizieren sich jedes Jahr etwa 390 Millionen Menschen mit dem Dengue-Virus, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich noch deutlich höher liegt. Viele Infektionen verlaufen nämlich ohne Symptome und werden gar nicht erst erkannt. Hinzu kommt, dass sich Dengue-Fieber leicht mit anderen Tropenkrankheiten wie Zika, Chikungunya oder Malaria verwechseln lässt, weil die Anzeichen oft unspezifisch sind. Die meisten Fälle – rund 70 Prozent – werden aus Asien gemeldet, vor allem aus Südostasien und Indien. Aber auch Mittel- und Südamerika sowie Teile Westafrikas sind stark betroffen. Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Blick auf das Jahr 2019: Damals wurde weltweit die bisher höchste Zahl an Dengue-Fällen registriert. In Vietnam verdreifachten sich die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr, in Brasilien versechsfachten sie sich innerhalb der ersten neun Monate. Die WHO hat Dengue-Fieber deshalb auf ihre Liste der zehn größten Bedrohungen für die globale Gesundheit gesetzt.

Experten-Wissen:

Für dich heißt das ganz konkret: Wenn du in Länder mit milden bis heißen Temperaturen reist, solltest du Dengue-Fieber auf dem Schirm haben – egal in welche Region und zu welcher Jahreszeit.

Dengue-Fieber in Europa wird oft durch Reisende übertragen

Risikogebiete in Europa: Das solltest du wissen.

Dengue-Fieber ist längst nicht mehr nur ein Thema für Fernreisende. Seit 2010 gibt es in Europa immer wieder sogenannte autochthone Fälle – das bedeutet, Menschen haben sich nicht im Urlaub angesteckt, sondern direkt vor Ort. Verantwortlich dafür ist die Asiatische Tigermücke, die sich in Europa immer weiter ausbreitet. Sie sticht zum Beispiel einen Reiserückkehrer, der das Dengue-Virus aus einem tropischen Land mitgebracht hat, und gibt es dann an andere Menschen in der Umgebung weiter. So kam es bereits zu lokalen Ausbrüchen in 

  • Frankreich, 
  • Italien, 
  • Spanien, 
  • Kroatien, 
  • Portugal
  • und auf Madeira. 

2024 erreichten die Fallzahlen in mehreren dieser Länder sogar ein Rekordniveau. 2025 haben sie sich zwar wieder normalisiert, aber Entwarnung gibt es nicht: Größere Dengue-Ausbrüche treten typischerweise in Wellen auf.

Experten-Wissen:

Die Tigermücke breitet sich dabei immer weiter nach Norden aus. Inzwischen wurde sie in rund 20 europäischen Ländern nachgewiesen – darunter auch in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Zuletzt kamen Zypern und die Slowakei neu hinzu. Auch für Großbritannien rechnen Wissenschaftler damit, dass die Mücke dort in Zukunft Fuß fassen wird.

Der Grund für diese Entwicklung: Klimawandel, zunehmender globaler Reiseverkehr und veränderte Landnutzung schaffen ideale Bedingungen für die Ausbreitung. Besonders Städte in Frankreich und Westeuropa sind zunehmend anfällig für mückenübertragene Krankheiten. Dengue-Fieber in Europa bleibt also ein Thema, das du im Blick behalten solltest.

Risikogebiete in Deutschland

Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es aktuell keine Risikogebiete für Dengue-Fieber. Jedoch werden besonders häufig Reiserückkehrende aus Thailand bei uns vor Ort mit der Krankheit diagnostiziert.

Symptome des Dengue-Fieber.

Die meisten Infektionen mit Dengue-Fieber verursachen keine oder nur leichte Symptome. Nur 25 Prozent der Erkrankungen verlaufen symptomatisch. 

Dabei wird zwischen einem klassischen und einem schweren Verlauf unterschieden. Bei dem klassischen leichten Verlauf klingt die akute Phase meist nach fünf bis sieben Tagen ab. Diese zeichnet sich vor allem durch Symptome aus, die einem grippalen Infekt ähneln:

  • Fieber
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Schmerzen hinter den Augen
  • flächiger Ausschlag (dieser lässt sich schnell mit einem Sonnenbrand verwechseln)
  • Übelkeit 

Nach dieser akuten Phase kann es sein, dass du dich noch einige Wochen schlapp fühlst. Letztlich heilt das Dengue-Fieber aber vollständig ab und du bist lebenslang immun gegen den Serotyp, welcher deine Erkrankung hervorgerufen hat. Nicht aber gegen die anderen Serotypen. Das heißt, du kannst dich erneut anstecken.

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass die Infektion einen schweren Verlauf einnimmt. Das passiert vor allem, wenn du dich zum wiederholten Mal infizierst. Aber auch bei einer Erstinfektion ist ein schwerer Verlauf möglich. Dabei scheint der Krankheitsverlauf zunächst klassisch, verschlechtert sich jedoch rapide nach kurzer Zeit. Hier kann es zu einer Schädigung des blutbildenden Systems kommen. Dann kommt es zum Dengue Hämorrhagischen Fieber (DHF). Das Dengue-Schock-Syndrom (DSS) ist eine lebensbedrohliche Komplikation, welche sich anschließen kann. Umso wichtiger ist es, bei schweren Symptomen direkt eine intensivmedizinische Betreuung aufzusuchen; 

  • Starke Bauchschmerzen
  • Anhaltendes Erbrechen
  • Blut im Erbrochenen oder Stuhl
  • Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten
  • Schwere Erschöpfung
  • Ruhelosigkeit / Reizbarkeit
  • Flüssigkeitsansammlungen (Bauchraum, Brustkorb)
  • Komplikationen in der Lunge (Pleuraerguss, Atemnot)
  • Niedriger Blutdruck / schneller schwacher Puls
  • Vergrößerte Leber
  • Schneller Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie)
  • Erhöhter Hämatokrit (Zeichen für Plasmaverlust)
  • Risiko einer Herzbeteiligung (Myokarditis)
  • Organversagen (bei Dengue-Schocksyndrom)

Wie wird das Dengue-Fieber behandelt?

Für das Dengue-Fieber selbst gibt es keine spezielle Behandlung. Sie ist stattdessen symptomatisch. Das heißt, der Behandlungsplan richtet sich also nach deinen Symptomen und Beschwerden. Sowie der Schwere der Erkrankung.

Bei einem leichten Krankheitsverlauf reicht es oft schon aus, dass du dich ausreichend ausruhst und viel trinkst. In diesen Fällen ist auch kein Krankenhausaufenthalt notwendig. Achte nur darauf, dass du keine blutverdünnenden Medikamente wie Aspirin zu dir nimmst. Diese können sonst die Blutungsgefahr stärken. 

Bei schweren Fällen kann ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig sein. Besonders folgende Symptome gelten als Warnzeichen;

  • starke Bauchschmerzen, 
  • anhaltendes Erbrechen, 
  • Blutungen (Nase, Zahnfleisch, Haut), 
  • Blut im Stuhl/Erbrochenen 
  • sowie extreme Müdigkeit oder Unruhe.

Dann besteht Schock-Gefahr.

Mückenspray als wichtigste Präventionsmaßnahme für Dengue Fieber in Europa

So kannst du dich vor Dengue-Fieber schützen.

Der wichtigste Schutz auf Reisen in Dengue-Gebiete: Lass dich möglichst gar nicht erst stechen. Da Aedes-Mücken vor allem tagsüber und in der Dämmerung aktiv sind, solltest du gerade zu diesen Zeiten besonders aufpassen. Trag am besten lange, helle Kleidung und verwende ein wirksames Mückenschutzmittel auf unbedeckter Haut.

Seit 2023 gibt es außerdem den Impfstoff Qdenga, der in Deutschland zugelassen ist. Die STIKO und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) haben dazu eine Impfempfehlung erarbeitet. Ob die Impfung für dich sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt – besonders dann, wenn du schon einmal Dengue hattest. Denn bei einer Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp ist das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich erhöht.

Ein Punkt, den viele nicht auf dem Schirm haben: Der Mückenschutz hört nicht an der Haustür auf. Wenn du aus einem Dengue-Risikogebiet zurückkehrst, solltest du noch mindestens eine Woche lang weiterhin Mückenschutz verwenden – auch in Deutschland. Falls bei dir nach der Rückkehr Dengue-Symptome auftreten, gilt das sogar so lange, bis die Beschwerden abklingen. Der Grund: Gerade in der ersten Woche nach der Infektion ist die Viruslast besonders hoch. Sticht dich in dieser Zeit eine heimische Tigermücke, kann sie das Virus aufnehmen und an andere Menschen in deiner Umgebung weitergeben. Genau so entstehen die lokalen Dengue-Fälle, die wir mittlerweile auch in Europa sehen.

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