Wochenbett und der Zyklus nach der Geburt

Während des Wochenbettes hält eine Frau ihr Baby im Arm

Wie lange dauert das Wochenbett und was passiert in dieser Zeit?

Während der Zeit des Wochenbetts bilden sich Veränderungen des Körpers, die in der Schwangerschaft notwendig waren, wieder zurück. Das Wochenbett endet im Allgemeinen sechs bis acht Wochen nach der Entbindung. Schwangerschaft und Entbindung sind kräftezehrend. Die junge Mutter braucht diese Zeit, um sich zu erholen. Im Wochenbett schrumpft die Gebärmutter auf ihre ursprüngliche Größe zurück, die Geburtswunden fangen an abzuheilen und die Brust beginnt damit, Milch zu produzieren. Auch der Beckenboden regeneriert sich. Neben den körperlichen Veränderungen, ist es wichtig, sich den psychologischen Bedürfnissen der Mutter nach der Geburt bewusst zu sein. 

Das Wochenbett teilt sich in Früh-Wochenbett und Spät-Wochenbett auf. Das Früh-Wochenbett umfasst die ersten zehn Tage nach der Geburt. Das Spät-Wochenbett beginnt ab dem 10. Tag und dauert bis Ende der 6. oder 8. Woche. Was in dieser Zeit passiert und warum es zu einer hormonellen Umstellung kommt, erfährst du hier:

Was passiert im Wochenbett – welche hormonellen Veränderungen gibt es?

Die frischgebackene  Mutter wird auch Wöchnerin genannt. Nach der ambulanten Geburt kommt die Mutter zunächst auf die Wöchnerinnenstation. Nach ein bis drei Tagen geht sie mit ihrem Baby meist nach Hause.

Nach der Geburt des Kindes wird die Plazenta (Mutterkuchen) geboren. Die abgelöste Plazenta hinterlässt eine etwa handtellergroße Wundfläche. Hier entsteht ein Wundsekret, das der Körper ausscheidet: Wochenfluss oder Lochien genannt. Nach ungefähr sechs Wochen ist die Wunde verheilt und der Wochenfluss hört auf.

Mit der Geburt der Plazenta fällt die Konzentration der Schwangerschafts-Hormone Östrogen, Progesteron sowie des humanen Plazentalactogen (HPL) und humanen Choriongonadotropin (HCG) im Blut ab. Das setzt weitere körperliche Veränderungen in Gang, die miteinander verbunden sind: Die Gebärmutter zieht sich zusammen. Sie ist während der Schwangerschaft zu Höchstleistungen aufgelaufen und hat sich um das 20-fache vergrößert. Bei der Entbindung wiegt sie rund ein Kilogramm. Nach sechs bis acht Wochen hat sie sich meistens vollständig zurückgebildet.

Eine Mutter im Wochenbett hält ihr neugeborenes Baby im Arm und lächelt

Nach der Geburt produziert der Körper Oxytocin – das sogenannte Bindungs- oder Liebeshormon. Dieses Hormon stärkt die instinktive Bindung zwischen der Mutter und ihrem Kind. Es sorgt auch dafür, dass es zwei bis fünf Tage nach der Entbindung zum Milcheinschuss kommt. Vorzeichen dafür sind, dass die Brüste deutlich größer werden, druckempfindlich sind und sich teilweise heiß anfühlen. Bis dahin hat der Körper Vormilch – Kolostrum produziert, um das Neugeborene zu ernähren. Das Stillen des Neugeborenen wiederum sorgt dafür, dass die Mutter weiterhin Oxytocin ausschüttet. 

Verletzungen wie Schürfungen, Risse oder Schnitte, die während der Geburt am Damm entstanden sind, heilen in den ersten Wochen in der Regel problemlos ab. Die Beckenbodenmuskulatur, die während der vaginalen Geburt stark gedehnt wurden, erholt sich. “Beckenbodentraining kann die Mutter bereits in der Schwangerschaft machen”, sagt Dr. Carsten Böing, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Vest in Marl. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass schon in der Schwangerschaft durchgeführte Beckenbodenübungen helfen, das Risiko für eine Harninkontinenz in den Wochen nach der Geburt zu verringern. „Frühestens acht Wochen nach der Geburt sollte die Mama mit Übungen für den Beckenboden beginnen“, erklärt Dr. Carsten Böing.  Die sogenannte Rückbildungsgymnastik hilft dabei, den Beckenboden wieder zu stärken. 

Gut zu wissen

Wenn es in den ersten Tagen im Intimbereich schmerzt, empfehlen wir selbst hergestellte Spülungen: Wasser gemischt mit Calendula-Essenz oder Meersalz. Auch Sitzbäder mit Kamillen­extrakt oder Lavendelöl lindern die Schmerzen und regen die Wundheilung an. Zusätzlich können kalte oder warme Packungen, ein lokal aufgebrachtes Betäubungsmittel und entzündungshemmende und gleichzeitig schmerzlindernde Medikamenten wie beispielsweise Ibuprofen helfen. Ibuprofen ist mit dem Stillen vereinbar.

Die Hormone beeinflussen auch die Zusammensetzung des Blutes in der Schwangerschaft. In der Folge kann das Blut schneller gerinnen. Damit steigt das Risiko für einen Verschluss eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel. In der Fachsprache heißt das Thrombose-Risiko. Das Risiko ist in den ersten Wochen nach der Geburt am höchsten und nimmt dann bis zwölf Wochen nach der Geburt allmählich ab, bis das Risiko wieder beim Ausgangswert liegt. Mehrere Faktoren erhöhen das Thrombose-Risiko: frühere Thrombosen, ererbte oder erworbene Gerinnungsstörungen, bestimmte medizinische Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Sichelzellanämie, Fettleibigkeit, Rauchen, Kaiserschnitt und starke Blutungen nach der Geburt des Kindes. 

Das Wochenbett und die damit verbundene Nähe von Mutter und Baby sind wichtig für die Mutter-Kind-Bindung beziehungsweise für die Eltern-Kind-Bindung. Beim ersten Kind bleibt der Mutter häufig mehr Zeit, das Wochenbett für sich und das neue Familienmitglied zu nutzen. 

Was läuft im Wochenbett beim Kaiserschnitt anders?

Nach einem Kaiserschnitt gibt der Körper weniger Wochenfluss ab. Meist dauert er nur drei bis vier Wochen. Das Thromboserisiko ist bei einem Kaiserschnitt oft höher als nach einer natürlichen Geburt. Manche Frauen tragen daher im Wochenbett Kompressionsstrümpfe. Unter Umständen sind auch entsprechende Medikamente notwendig. Um dem Thromboserisiko entgegenzuwirken, ist Bewegung in Maßen sinnvoll. „Wir schlagen vor, dass die Patienten am Anfang mindestens viermal am Tag mindestens fünf bis zehn Minuten mobilisiert werden. Das heißt, dass die Mutter mit Hilfe von Fachpersonal aufsteht und beispielsweise zur Toilette geht”, sagt Dr. Carsten Böing. Oft brauchen Mütter nach einem Kaiserschnitt auch Unterstützung beim Wickeln und Tragen ihres Babys. Zu Hause zeigt die Hebamme dann schonende Bewegungen und gibt wertvolle Tipps, die helfen, den Kreislauf zu unterstützen und den Muskelabbau verhindern. 

Ein Kaiserschnitt erspart dem Beckenboden zwar einiges, aber nicht alles. Rückbildungsgymnastik ist also auch beim Kaiserschnitt hilfreich. Allerdings sollte die Mutter erst acht bis zwölf Wochen nach der Entbindung damit beginnen. Grund ist, dass zunächst die Narbe auch hier ausreichend verheilen muss. Fäden oder Klammern der Kaiserschnitt-Naht entfernt dein Arzt oder deine Hebamme fünf Tage nach der Entbindung. Viele Krankenhäuser verwenden heute auch selbstauflösende Fäden. Hier muss der Arzt nur die überstehenden Fäden kürzen. Die Narbe ist zunächst rötlich und wandelt sich nach zehn bis zwölf Wochen in helleres  Narbengewebe um. Anfangs fühlt sich die Narbe meist etwas taub an. Auch leichte Schmerzen bei Belastung sind normal. 

Um die Narbe zu pflegen, eignen sich Salben mit Calendula oder Johanniskrautöl. Eine spezielle Narbenmassage ist ebenfalls sinnvoll. Sie unterstützt die Heilung. Circa sechs Tage nach dem Kaiserschnitt kann die Mutter mit der Massage beginnen. 

Eine Frau im Wochenbett versucht ihr weinendes Baby zu beruhigen

Wie kommt es zum Baby-Blues?

Hormonelle Veränderungen und die neuen Lebensumstände nach der Geburt eines Kindes führen bei vielen Frauen zu einem Baby-Blues. Sie fühlen sich erschöpft, brechen plötzlich in Tränen aus oder sind gereizt. Diese und weitere Anzeichen können wenige Stunden bis maximal 14 Tage nach Geburt andauern. Dauert dieser Zustand jedoch länger als zwei Wochen oder setzt er erst später ein, spricht man von einer Wochen­bett­depression (postpartale Depression). “Die Mutter sollte  sich dann ärztliche Hilfe suchen, denn im Gegensatz zum Baby-Blues klingt die Wochenbettdepression nicht von allein wieder ab”, sagt Dr. Carsten Böing. 

Wann setzt der normale Zyklus wieder ein und ab wann kann ich nach dem Wochenbett wieder schwanger werden?

Wann der Zyklus nach einer Geburt wieder beginnt, ist sehr unterschiedlich. Entsprechend kann man die Frage, wann die Periode nach der Schwangerschaft beziehungsweise Geburt wieder einsetzt, nicht so einfach beantworten. Bei einigen Frauen setzt der Zyklus ein paar Wochen nach der Geburt wieder ein, bei anderen dauert das über ein Jahr. Auch hier spielen die Hormone nach der Geburt eine große Rolle. Bei Frauen, die nicht ausschließlich stillen, kann der Eisprung bereits 25 Tage nach der Entbindung erfolgen. Daher sollten Paare mit der Empfängnisverhütung früh – möglicherweise schon drei Wochen nach der Geburt beginnen. 

Bei Frauen, die ausschließlich stillen, setzt der Eisprung später ein und ist weniger vorhersehbar.

Experten-Tipp:

Dr. Carsten Böing Chefarzt in der Gynäkologie Paracelsus Klinik Marl
Dr. Carsten Böing, Chefarzt in der Gynäkologie Paracelsus Klinik Marl

Experten-Tipp:

„Stillen kann auf eine natürliche Weise vor einer erneuten Schwangerschaft schützen. Allerdings ist Stillen keine verlässliche Verhütungsmethode. Wenn in näherer Zukunft keine weitere Schwangerschaft geplant ist, muss auf jeden Fall zusätzlich verhütet werden.“


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