J1-Untersuchungen

Ein Junge bei der J1-Untersuchung

Gesundheit im Jugendalter.

Kinder durchlaufen in den ersten Lebensjahren zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen. Diese ermöglichen es Eltern und Medizinern, die körperliche und seelische Entwicklung des Nachwuchses im Blick zu behalten. Mögliche gesundheitliche Probleme können so frühzeitig entdeckt und behandelt werden. Die Jugendgesundheitsuntersuchung J1 ist die nächste Untersuchung nach den U1 bis U9. Bei der J1 sind die Jugendlichen zwischen zwölf und 14 Jahre alt. Wie die Untersuchung abläuft und warum Jugendliche diese auch schon allein wahrnehmen können, erfährst du in unserem Beitrag.

Was die Ärztin oder der Arzt bei der J1 untersucht.

Ein Junge bei der J1-Untersuchung

Die J1-Untersuchung besteht aus drei Schritten:

  1. Die sogenannte Anamnese.

Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “Erinnerung”. In der Arztpraxis ist damit gemeint, dass der Arzt oder die Ärztin Fragen zu Vorerkrankungen, eingenommenen Medikamenten oder akuten Problemen stellt. Diese Angaben werden dann im Patientenblatt eingetragen.

  1. Danach erfolgt bei der J1 eine gründliche körperliche Untersuchung.

Dieser Gesundheitscheck besteht aus den folgenden Schritten: Zunächst untersucht die Ärztin oder der Arzt die Motorik – also die Bewegungsabläufe – des Jugendlichen. Auch Gewicht und Körpergröße werden gemessen. Die Ärztin oder der Arzt tastet die Schilddrüse und den Bauchraum ab. Eine Blutdruckmessung sowie eine Urinprobe sind ebenfalls Bestandteil der Untersuchung. Schließlich schaut sich die Ärztin oder der Arzt noch das Skelettsystem an und kontrolliert den Impfstatus.

Die Ergebnisse der Früherkennungsuntersuchungen helfen den Medizinern, verschiedene Krankheiten oder Auffälligkeiten zu entdecken. Zum Beispiel:

  • Untergewicht oder Übergewicht
  • Störungen in der Entwicklung
  • Hautprobleme
  • Fehlhaltungen
  • Fehlfunktion der Sinnesorgane
  1. Der Arzt bespricht die Ergebnisse

der J1-Untersuchung mit seiner Patientin oder seinem Patienten. Die körperliche Untersuchung ist aber nur ein Teil der J1. Ebenso wichtig ist das Beratungsgespräch. In diesem fragt die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel nach Problemen in der Schule, Suchtgefahren wie Drogen- oder Tabakkonsum sowie dem Sexualverhalten.

Diese Fragen sind vielleicht am Anfang peinlich. Für die Ärztin oder den Arzt sind sie aber wichtig, um eine möglichst passgenaue Beratung anbieten zu können. Daher sollten Teenager ehrlich antworten und bei Bedarf nachfragen, wenn ihnen etwas nicht klar ist. Die Gespräche dienen auch zur Einschätzung psychischer Probleme und können auch hier weiterhelfen.

Wie alt ist man bei der J1?

Eine Ärztin überprüft den Impfstand eines Jungen bei der J1-Untersuchung

Die J1 löst quasi die Untersuchungen in der Vorpubertät ab und wird im Alter von zwölf bis 14 Jahren gemacht. Hier stehen auch wichtige erste Impfungen oder Auffrischimpfungen an: Zum Beispiel gegen Keuchhusten, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Humane Pappilomviren (HPV) und Kinderlähmung. Mehr zum Thema Impfungen findest du in unserem Magazin.

Warum die J1-Untersuchung so wichtig ist.

„Je früher Krankheiten erkannt werden, desto besser“, sagt Dr. Gerrit Lautner, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen. Gerade bei Jugendlichen ist es gar nicht so einfach, gesundheitliche Probleme zu erkennen. Heranwachsende machen in kurzer Zeit viele körperliche Veränderungen durch. Auch die Persönlichkeit befindet sich in einer kontinuierlichen Veränderung.

Tipp unseres Experten:
Portrait Gerrit Lautner
Dr. Gerrit Lautner, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen

Tipp unseres Experten:

Der Experte betont: „Umso wichtiger ist es, dass Ärztinnen und Ärzte erste Anzeichen von Problemen bemerken und darauf reagieren können. Die J1-Jugenduntersuchung ist also auch ein wichtiger Bestandteil der Früherkennung.“

Expertenprofil lesen

Die J1-Untersuchung kann sowohl beim Kinderarzt oder Jugendarzt als auch in einer normalen Hausarztpraxis beim Allgemeinarzt oder Internisten durchgeführt werden. Eltern sollten mit ihren Kindern besprechen, ob sie diese Untersuchung bei ihrem vertrauten Kinderarzt oder einem neuen Arzt/einer neuen Ärztin durchführen lassen möchten.

Experten-Wissen:

„Alles, was bei der Jugenduntersuchung J1 besprochen wird, unterliegt ärztlicher Schweigepflicht“, versichert Dr. Lautner. „Das gilt auch für alle U18-Jährigen. Die einzige Ausnahme ist natürlich eine lebensbedrohliche Erkrankung.“

Das muss zur Vorsorge J1 mitgebracht werden

  • Krankenversichertenkarte
  • Impfausweis
  • gelbes und grünes (U10, U11, J1 und J2) Untersuchungsheft, falls vorhanden
  • eventuell frühere Befunde

Wie lange dauert die J1-Untersuchung?

In der Regel circa 30 Minuten. Je nachdem, welche individuellen Gesundheitsthemen noch mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Was können Eltern tun?

Eine Frau spricht mit ihrer Tochter über die J1-Untersuchung

Zunächst einmal ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt für die Untersuchung abzupassen. Solltest du bei deinem Kind Veränderungen bemerken, zum Beispiel im Sozialverhalten, bei der Lernfähigkeit oder beim Essverhalten, dann sollte die J1-Untersuchung auf jeden Fall vorgenommen werden, wenn sie noch nicht gemacht wurde.

Sprich mit deinem Kind oder deinen Kindern offen über die Untersuchung. Haben sie vielleicht Ängste oder Sorgen? Bestärke sie darin, alleine zum Arzt zu gehen. So können alle Fragen gestellt werden, ohne dass ein Elternteil mithört. Die Ärztin oder den Arzt stört das nicht. Im Gegenteil, es sorgt für ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis und legt den Grundstein für alle wichtigen Dinge, die es zur jugendlichen Gesundheit und Pubertät zu besprechen gibt. Es gibt sogar spezielle Jugendsprechstunden in manchen Praxen. Auch darüber kannst du dein Kind aufklären.

Wie geht es nach der J1-Untersuchung weiter?

Die J-Untersuchungen bestehen aus J1 und J2. Weitere Untersuchungen, die auf Empfehlung oder nach der J1 stattfinden können, sind eine gynäkologische Untersuchung und eine dermatologische Untersuchung. Die J2 ist eine zusätzliche Untersuchung im Alter von 16-17 Jahren. Die KNAPPSCHAFT übernimmt im Rahmen ihrer zusätzlichen Leistungen auch die Kosten für die J2.


Die Jugendvorsorge J1 ist eine wichtige Vorsorgeuntersuchung und sollte nicht versäumt werden. Die Kosten für die J1 werden vollständig von der Krankenkasse übernommen. Mehr Informationen dazu findest du unter Vorsorge für Kinder und Jugendliche.

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Gebe bitte einen Kommentar ein.

Gebe bitte deinen Namen ein.

Weitere Artikel: