Thoraxchirurgie der Zukunft

Ein Arzt bereitet sich auf die Thoraxchirurgie vor
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Wird der Roboter den Operateur ersetzen?

Roboterarme im Operationssaal, millimetergenaue Bewegungen und künstliche Intelligenz bei der OP-Planung – kaum ein Bild steht so sehr für die Medizin der Zukunft. Doch bedeutet das auch, dass der Mensch am Operationstisch irgendwann überflüssig wird?

Die Antwort der Thoraxchirurgie ist eindeutig und sie ist überraschend menschlich. Jetzt im Magazin mehr erfahren!

Präzision braucht einen Menschen.

So beeindruckend ein System wie der Da-Vinci-Operationsroboter auch wirkt: Er trifft keine einzige eigene Entscheidung. Der Roboter schneidet nicht selbstständig, erkennt keinen Tumor und wählt auch kein Operationsverfahren aus. Jede Bewegung der Instrumente entsteht in Echtzeit aus den Händen der Chirurgen oder der Chirurginnen, die an einer der Steuerkonsolen sitzenund über einen hochauflösenden 3D-Bildschirm tief in den Brustkorb blicken.

Der Roboter ist damit ein Werkzeug – allerdings ein außergewöhnlich präzises. Er filtert das natürliche Zittern der Hand heraus, übersetzt große Bewegungen in millimetergenaue Instrumentensteuerung und ermöglicht durch abwinkelbare Gelenke einen Bewegungsspielraum, der die menschliche Hand übertrifft.

Was er nicht kann: verstehen, abwägen und Verantwortung übernehmen. Genau das bleibt die Aufgabe des Operateurs. Ein Skalpell hat noch nie eigenständig einen Menschen operiert und ein Roboter tut es ebenso wenig. Beide sind nur so gut wie die Hand und der Kopf, die sie führen.

Ein Arzt bei der Thoraxchirurgie

Warum Erfahrung unersetzbar bleibt.

Wenn der Roboter ein Werkzeug ist, verändert sich die Rolle des Chirurgen, sie verschwindet aber nicht. Im Gegenteil: Sie gewinnt weiter an Bedeutung.

Tipp unseres Experten:
Dr. med. univ.- Volkan Kösek, FACS
Dr. med. univ. Volkan Kösek, FACS, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie der Knappschaft Kliniken Lünen

Tipp unseres Experten:

„Die eigentliche chirurgische Leistung liegt heute mehr denn je in der Vorbereitung, der Strategie und der Entscheidung im entscheidenden Moment“, erklärt der Chefarzt der Thoraxchirurgie, Dr. med. univ. Volkan Kösek.

Expertenprofil lesen

Der Chirurg entscheidet beispielsweise, ob ein ganzer Lungenlappen oder nur ein einzelnes Segment entfernt werden muss. Er erkennt anatomische Besonderheiten, denn Gefäße und Bronchien verlaufen nicht bei jedem Menschen gleich und reagiert, wenn während der Operation Unerwartetes geschieht.

Diese Urteilsfähigkeit, geprägt durch jahrelange Ausbildung und Erfahrung, lässt sich nicht an eine Maschine delegieren. Der Roboter führt aus, was der Chirurg vorgibt. Die Verantwortung für Indikation, Sicherheit und das Wohl des Patienten trägt immer der Mensch.

Damit wandelt sich das Berufsbild: Der moderne Thoraxchirurg ist Handwerker und Stratege zugleich, jemand, der die Technologie souverän beherrscht und sie gezielt in den Dienst des Patienten stellt.

Was Patienten konkret davon haben.

Für Patientinnen und Patienten sind die Vorteile moderner Technik spürbar. Minimal-invasive Verfahren bedeuten kleinere Zugänge statt großer Schnitte, weniger Schmerzen, geringeren Blutverlust, eine schnellere Erholung und oft auch kürzere Krankenhausaufenthalte.

Experten-Wissen:

„Die robotergestützte Chirurgie führt diese Entwicklung konsequent weiter: Die hochauflösende, vergrößerte 3D-Sicht und die präzise Instrumentensteuerung ermöglichen gewebeschonende Eingriffe selbst an schwer zugänglichen Strukturen“, Dr. med. univ.- Volkan Kösek.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Fortschritt bei der Lungenkrebschirurgie. Wo früher häufig ein ganzer Lungenlappen entfernt werden musste, kann heute oft deutlich gezielter und segmentgenau operiert werden. Dadurch bleibt mehr gesundes Lungengewebe erhalten.

Das verbessert nicht nur die Lebensqualität nach der Operation, sondern kann auch Vorteile bringen, falls zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Eingriff notwendig werden sollte.

Wenn KI den Blick ins Innere schärft.

Eine weitere Technologie verändert die Thoraxchirurgie grundlegend: die KI-gestützte 3D-Rekonstruktion der Lunge. Aus herkömmlichen CT-Bildern erstellt eine spezialisierte Software detailgetreue, dreidimensionale Modelle des Organs – inklusive Tumor, Gefäßen, Bronchien und anatomischen Besonderheiten.

Wie wirkungsvoll das ist, zeigt eine große multizentrische Studie, die 2025 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde. Mithilfe solcher KI-gestützten 3D-Modelle konnten anatomische Varianten deutlich zuverlässiger erkannt werden. Gleichzeitig sank die Fehlerquote bei deren Identifikation um rund 41 Prozent. Auch die Wahl des passenden Operationsverfahrens wurde präziser, während sich die Planungszeit um etwa ein Viertel verkürzte.

Davon profitierten Chirurgen aller Erfahrungsstufen, vom jüngeren Facharzt bis zum erfahrenen Operateur.

Entscheidend ist dabei die Verbindung aus digitaler Planung und operativer Umsetzung: Das am Computer erstellte 3D-Modell dient dem Chirurgen als präzise Landkarte. Diese kann er gedanklich – und zunehmend auch mithilfe von Augmented-Reality-Ansätzen – direkt in das Operationsgeschehen am Roboter übertragen.

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Vorreiter im Revier: Die Thoraxchirurgie der Knappschaft Kliniken Lünen.

Dass diese Zukunft längst Gegenwart ist, zeigt ein Blick auf die Knappschaft Kliniken Lünen. Die Klinik für Thoraxchirurgie führt seit mehreren Jahren über 80 Prozent ihrer Eingriffe minimal-invasiv durch – und das mit der besonders schonenden uniportalen VATS-Technik, bei der über nur einen einzigen kleinen Zugang operiert wird.

Seit dem 5. Juli 2024 verfügt die Klinik über einen eigenen Operationsroboter vom Typ Intuitive Da-Vinci X. Mit ihm werden heute sämtliche minimal-invasiven Eingriffe durchgeführt.

Eine Besonderheit des Standorts: Der Roboter wird ausschließlich in der Thoraxchirurgie eingesetzt und ist mit diesen Eingriffen vollständig ausgelastet,  ein in Deutschland seltenes Modell der Spezialisierung. Bereits im ersten Jahr wurden in Lünen mehr als 250 robotergestützte Eingriffe durchgeführt.

Maßgeblich vorangetrieben wurde dieses Programm durch den Chefarzt der Klinik, Dr. med. univ. Volkan Kösek, FACS. Unter seiner Leitung wurde das robotische Programm aufgebaut und weiterentwickelt. Mittlerweile ist die Klinik anerkanntes Ausbildungszentrum für robotische Thoraxchirurgie.

Dr. Kösek selbst gehört zu den wenigen thoraxchirurgischen Proctoren in Deutschland, die neue Kolleginnen und Kollegen beim Einstieg in das robotische Operieren ausbilden und während ihrer ersten Eingriffe begleiten.

Gerade dieses Proctoring zeigt, worauf es ankommt. Bevor ein Chirurg den Roboter eigenständig bedienen darf, durchläuft er eine strukturierte und anspruchsvolle Ausbildung – von E-Learning und Simulationstraining bis hin zu begleiteten Live-Operationen unter Aufsicht erfahrener Proctoren.

Denn nicht der Roboter macht den guten Operateur, sondern die jahrelange Schulung des Menschen, der ihn führt. Künftig werden in Lünen Thoraxchirurgen aus ganz Deutschland für diese Technik ausgebildet.

Thoraxchirurgie mit Roboter
Robotik in der Thoraxchirurgie

Technik unterstützt – entscheiden muss der Mensch.

Wird der Roboter den Operateur also ersetzen? Die klare Antwort lautet: Nein.

Was sich verändert, ist nicht die Frage, ob der Mensch operiert, sondern wie. Der Roboter erweitert die Fähigkeiten der menschlichen Hand. Künstliche Intelligenz schärft den Blick auf die Anatomie. Doch Erfahrung, Verantwortung und Entscheidungskraft bleiben beim Menschen.

Das Beispiel der Knappschaft Kliniken Lünen zeigt, wie diese Verbindung gelingt: modernste Technik in den Händen hochqualifizierter Spezialisten.

Die Thoraxchirurgie der Zukunft ist deshalb nicht die Geschichte einer Maschine, die den Menschen verdrängt. Sie ist die Geschichte eines Chirurgen, der mit den besten Werkzeugen seiner Zeit das tut, was schon immer im Mittelpunkt stand: Patientinnen und Patienten die bestmögliche und zugleich schonendste Behandlung zu bieten.

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