Reizdarm erkennen und behandeln

Eine Frau im Bett - sie weiß, wie sie den Reizdarm erkennen und behandeln kann
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Symptome, Ursachen und Behandlungsoptionen.

Bauchschmerzen, veränderte Toilettengänge oder ein Blähbauch? Das sind nur einige der zahlreichen Beschwerden, die Menschen mit einem Reizdarmsyndrom belasten können. Doch was genau ist ein Reizdarm und wie lässt sich das sogenannte Reizdarmsyndrom behandeln?

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa fünf bis zwölf Millionen Menschen unter einem Reizdarmsyndrom. Das entspricht ungefähr 6 bis 14,4 Prozent der Bevölkerung. Ein angenehmes Thema ist das für Betroffene sicherlich nicht. Dennoch ist es wichtig, anhaltende Beschwerden ernst zu nehmen und medizinisch abklären zu lassen. Ab wann eine Untersuchung sinnvoll ist und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfährst du im Magazin-Beitrag. Jetzt lesen!

Was genau ist ein Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Das bedeutet: Die Funktion des Darms ist gestört, ohne dass sich bei den üblichen Untersuchungen organische Veränderungen feststellen lassen, die die Beschwerden ausreichend erklären.

Die Beschwerden beginnen häufig zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig  wie Männer. Typisch sind länger als drei Monate anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden, die auf den Darm bezogen werden und häufig mit Veränderungen des Stuhlgangs einhergehen. Die Symptome können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Für die Diagnose müssen Ärzte und Ärztinnen andere Erkrankungen ausschließen, die die Beschwerden ausreichend erklären könnten.

Reizdarm erkennen: Wie äußert er sich und welche Symptome sind typisch?

Die Symptome eines Reizdarms können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Auch ihre Art und Stärke können sich im Laufe der Zeit verändern.

Zu den typischen Beschwerden zählen:

  • Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe
  • Durchfall oder Verstopfung
  • ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
  • Blähungen und ein sichtbar aufgeblähter Bauch
  • Völlegefühl
  • das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung
  • Schleimauflagerungen auf dem Stuhl
  • plötzlich auftretender, starker Stuhldrang

Nicht jeder Betroffene entwickelt alle diese Symptome. Frauen leiden etwas häufiger unter Verstopfung, Männer eher unter Durchfall. Bei manchen Patienten tritt ein so starker und plötzlicher Stuhldrang auf, dass sie umgehend eine Toilette aufsuchen müssen. Insbesondere bei starken oder häufig auftretenden Beschwerden kann das Reizdarmsyndrom für Betroffene sehr belastend sein und ihre Lebensqualität erheblich einschränken.

Gastroenterologen und Gastroenterologinnen unterscheiden vier Formen des Reizdarmsyndroms. Mischformen und ein Wechsel zwischen den verschiedenen Typen sind möglich:

  • durchfalldominantes Reizdarmsyndrom (RDS-D)
  • verstopfungs- beziehungsweise obstipationsdominantes Reizdarmsyndrom (RDS-O)
  • Reizdarmsyndrom mit wechselndem Durchfall und Verstopfung (RDS-M)
  • nicht eindeutig zuzuordnendes Reizdarmsyndrom (RDS-U)

Die Übergänge sind fließend. Zudem kann sich der vorherrschende Typ im Laufe der Erkrankung verändern. Bauchschmerzen, Blähungen und weitere Beschwerden können bei allen Formen auftreten, sind jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Eine Frau hat Bauchweh - sie weiß, wie sie den Reizdarm erkennen und behandeln kann

Welche Ursachen hat ein Reizdarm?

Das Reizdarmsyndrom ist ein komplexes Krankheitsbild. Verschiedene Faktoren können an seiner Entstehung beteiligt sein und einander beeinflussen. Das kann auch die Diagnostik erschweren. Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass mehrere biologische, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken.

Tipp unseres Experten:
Dr. med. Frank Schlierkamp
Dr. med. Frank Schlierkamp, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie in den Knappschaft Kliniken Kamen

Tipp unseres Experten:

Was sich hinter den möglichen biologischen Ursachen verbirgt, erklärt unser Experte Dr. med. Frank Schlierkamp, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie der Knappschaft Kliniken Kamen:

„Mögliche Ursachen für die Entstehung eines RDS (Reizdarmsyndrom) sind vielschichtig und komplex. Oft wird ein RDS durch eine Magen-Darm-Infektion ausgelöst oder getriggert und kann dann über Wochen und Monate, in seltenen Fällen bis zu mehrere Jahre, andauern.

Häufig bestehen bei Patienten mit RDS eine gestörte Dünn- und Dickdarmbeweglichkeit und eine viszerale Hypersensitivität, das heißt eine Überempfindlichkeit der Darmschleimhaut gegenüber bestimmten Reizen, zum Beispiel Dehnung durch Stuhl oder Gase. Auch die Barrierefunktion der Darmschleimhaut kann gestört sein und zu einer erhöhten Durchlässigkeit führen, sodass bestimmte Antigene zum Beispiel aus dem Stuhl in die Darmwand gelangen und das darmeigene Immunsystem aktivieren können. Bei einem Teil der Patienten besteht eine Störung des Gallensäurestoffwechsels, sodass zu viel Gallensäuren in den Dickdarm gelangen, dort bakteriell abgebaut werden und dadurch Schmerzen und Blähungen auslösen.“

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Auch psychische Faktoren können das Reizdarmsyndrom im biopsychosozialen Zusammenspiel beeinflussen. Stress, Ängste und depressive Störungen können sowohl an der Entstehung als auch an der Aufrechterhaltung eines Reizdarmsyndroms beteiligt sein. Umgekehrt können die anhaltenden Beschwerden die psychische Gesundheit belasten und beispielsweise Ängste oder depressive Symptome begünstigen. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen, in dem sich körperliche und psychische Beschwerden gegenseitig verstärken.

Wie wird ein Reizdarm diagnostiziert?

Die Diagnose eines Reizdarmsyndroms ist immer eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, andere aufgrund der vorliegenden Symptome ebenfalls in Betracht kommende Erkrankungen müssen zuvor ausgeschlossen worden sein. Neben einer detaillierten Anamnese gehören dazu eine körperliche Untersuchung, ein Basislabor (einschließlich Stuhluntersuchungen), ein Ultraschall des Bauches und gegebenenfalls eine gynäkologische Vorstellung.

Ein Arzt bei der Diagnose - er weiß, wie er den Reizdarm erkennen und behandeln kann

Darüber hinaus sollten im Rahmen einer Erst-Abklärung eine Magen- und eine Darmspiegelung mit Probeentnahmen erfolgen. Bei unauffälligen Befunden sind zusätzliche Funktionstests (zum Beispiel Atemtests zum Ausschluss einer Unverträglichkeit von Milchzucker) anzuschließen. Sämtliche zur Diagnose eines Reizdarmsyndroms erforderlichen diagnostischen Maßnahmen werden in der Klinik für Gastroenterologie der Knappschaft Kliniken Kamen vorgehalten.

Was hilft? Reizdarm behandeln: So gehts.

Behandlung eines Reizdarms in den Knappschaft Kliniken Kamen

Die Behandlung des Reizdarmsyndroms wird individuell auf die Beschwerden und Bedürfnisse des Patienten oder der Patientin abgestimmt. Alle therapeutischen Optionen zielen darauf ab, die individuellen Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Dabei umfasst die Therapie im Wesentlichen folgende vier Bereiche:

1. Lebensstil und Ernährung:
Dazu zählen zum Beispiel der Verzicht auf individuell unverträgliche oder stark blähende Lebensmittel, eine Low-FODMAP-Diät (Reduktion bestimmter Zucker- und Alkoholverbindungen in der Nahrung über vier bis acht Wochen), Ballaststoffe und Flohsamen, körperliche Aktivität und Sport sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Anregung der Darmtätigkeit.

2. Regulierung der Darmflora:
Diese erfolgt durch die probatorische Einnahme ausgewählter probiotischer Bakterienstämme.

3. Medikamentöse Symptomlinderung:
Zum Beispiel mithilfe von Pfefferminzöl-Präparaten zur Linderung von Blähungen und Krämpfen.

4. Stressmanagement und Psyche:
Dazu zählt die Nutzung zahlreicher Möglichkeiten des Stressabbaus, Entspannungstechniken (zum Beispiel Yoga oder autogenes Training) bis hin zu gastrointestinaler Hypnotherapie oder Verhaltenstherapie.

Eine Frau beim Yoga - sie weiß, wie sie den Reizdarm erkennen und behandeln kann

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Die gute Nachricht?

Ein Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich und verläuft bei vielen Betroffenen mild. Die Beschwerden können zeitweise nachlassen oder sogar vollständig verschwinden. Dennoch gilt das Reizdarmsyndrom medizinisch nicht als im klassischen Sinne heilbar. Mit einer individuell abgestimmten Behandlung lassen sich die Beschwerden jedoch häufig deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern.

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